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Silvester waren wir familiär beansprucht und konnten nicht ausgehen. Wie praktisch, dass wir am ersten Samstag im Januar in Ganzweitweg zu tun haben. Ausgehen wäre opportun.

Ein Date mit einem Paar wäre nett, ist aber unwahrscheinlich. In Ganzweitweg trifft man sich nicht in Restaurants o. ä., sondern lieber direkt privat und das ist - wie bekannt - für Erstdates nicht unser Plaisier. Außerdem sind die Feiertage auch gerade erst vorbei, so dass viele wahrscheinlich gar nicht ausgehen mögen.

Wir versuchen's trotzdem über die einschlägigen » Communities und bekommen sogar eine Zuschrift.
Das Paar will mit uns nachmittags in einen Club gehen. Der Club wirkt ob seiner Internetseite eher wie ein Partytreff mit » Hausdamenbespaßung (ich sag' nur: freier Eintritt für Paare) und lockt uns gar nicht. Somit sind wir nicht besonders traurig, dem Paar abzusagen, denn am Nachmittag werden wir noch auf der Autobahn sein.
Eine weitere Mail kommt von Clubbetreibern. Sie feiern den Geburtstag der Chefin. Bei diesem Club handelt es sich zwar um einen reinen Paareclub, aber die Internetseite macht uns trotzdem nicht spontan Lust, dieser Einladung nachzukommen. Es sieht alles arg einfach und dazu noch etwas verkitscht aus. Der Außenbereich scheint ganz nett zu sein, ist bei den aktuellen Temperaturen aber nicht nutzbar.
Dazu sind solche Einladungen immer mit Vorsicht zu genießen. Uns ist schon klar, dass diese hier nicht wie eine unter Freunden oder Bekannten, also nach dem Motto "tritt ein, sei mein Gast, lass' dich bewirten, ich zahle die Zeche" zu werten ist, aber wir sehen auch nicht so ganz, warum ein Club nicht nur den vollen, sondern sogar einen erhöhten Eintrittspreis verlangt, wenn er offensiv damit wirbt, an diesem Tag Betreiberinnengeburtstag zu feiern, bzw. wir sehen nicht, warum wir hingehen und das mitmachen sollen. (Aus Sicht der Clubbetreiber ist diese Preiskalkulation natürlich nachvollziehbarer. Das Preisdelta soll der Betreiberin wahrscheinlich als Geburtstagsgeschenk dienen.)
Das könnten wir nun alles an die Clubbetreiber zurück schreiben, auch, dass wir aktive Werbung von Clubs nicht mögen, aber wir lassen's und teilen mit, dass wir im Sommer vielleicht mal vorbei schauen.

Wir sehen uns nochmal in die Clubliste für diesen Bereich an und bleiben am Schlösschen hängen. Klar, mit einem kleinen Umweg könnten wir dort vorbei schauen und auch gleich dort übernachten.

Die » Eröffnungsparty an Silvester letztes Jahr hatte uns ja nicht so gefallen, aber während des letzten Jahres waren wir noch einige Male dort. Das Schlösschen konnte wieder durch den gewohnten Service des - inzwischen geschlossenen - anderen Clubs der Betreiber punkten und die Sauna, die zur Eröffnung noch nicht fertig war, steht auch schon länger zur Verfügung. Außerdem haben wir die VIP-Karte, die es für die hundert ersten Anmeldungen zur Eröffnung gab, zu schätzen gelernt. Nicht nur, dass wir eine weitere der von uns so geliebten Plastikkärtchen für unser Fickportemonnaie, die wir auch gerne regelmäßig für diese Rubrik » fotografieren , ergattert haben, erhalten wir mit der Karte doch auch einen satten Preisnachlass, der auf den rabattierten Eintritt, den wir dank einer Paarecommunity zahlen, noch angerechnet wird.
Nur etwas leer war es die letzten Male im Club. Wir hoffen, dass sich das Schlösschen - trotz einiger Konkurrenzetablissements in der Gegend - in der Zwischenzeit durchsetzen konnte und mehr Besucher aufweist.

Gegen 19.30 Uhr treffen wir - weniger von Staus als vom Wetter und der entsprechenden Straßenverhältnisse gebeutelt - ein.
Der Chef öffnet, erkennt uns (na ja, wir kommen ja auch angemeldet) und erzählt von der Silvesterparty. Es war voll, es war anstrengend; Letzteres sieht man ihm noch an.

Erstmal zum Aufhübschen ins Hotelzimmer. Na ja, doll sind sie nicht. Man erkennt schon, dass das Hotel, das nun das Schlösschen beherbergt, bei der Übernahme ziemlich abgewirtschaftet war, aber letztendlich stört uns das nicht wirklich. Wir brauchen einen Platz zum Schlafen und den haben wir hier. Außerdem haben wir hier auch schon mal übernachtet und kennen die Zimmer. Sie sind – obschon es in der näheren Umgebung noch einige preiswertere Angebote gibt – günstig und außerdem genießen wir den Vorteil, nach dem Clubabend sofort ins Bett verschwinden zu können.

Im Club gibt es einen etwas seltsamen Dresscode. Im Barraum wünscht man erotisch-elegante Kleidung, keine Dessous. Die werden in den Spielräumen aber gerne gesehen.
Während zu Beginn der Clubabende alle einigermaßen entsprechend gekleidet sind - ein Ausreißerpaar in Wäsche in der Bar gibt's aber meistens doch - findet man später eine lustige Mischung aus Paaren in Abendkleidung, in stark mitgenommener Abendkleidung, in Wäsche und in Kombinationen aus allem Genannten vor.

Da es uns nervt, uns nach jedem Abstecher in die Spielräume wieder komplett aufzurüschen, versuchen wir's heute mal mit dem System, das wir im Ausland kennen gelernt haben: Zu Beginn werden wir Abendkleidung tragen, uns dann etwas Luftigeres anziehen und den Rest der Nacht so verbringen. Dessous ziehen wir in Clubs sowieso selten bis gar nicht an.
Somit habe ich mein 20er-Jahre-Fransenkleid mit Netzstrümpfen und Samthandschuhen kombiniert. Der Süße erscheint in Lederhose und Hemd.

Wie schade, im Barraum treffen wir nur auf zwei Paare. So wenig war noch nie los. Viel mehr werden wohl auch nicht mehr erscheinen, es ist ja schon halb zehn, woran man erkennt, dass wir wieder mal viel zu lange gebraucht haben.
Na ja, wir nehmen's gelassen, lassen uns zwei Wodka-RedBull geben und verschwinden in den Restaurant-Bereich.

Hier treffen wir auf drei weitere Paare. Das Buffet ist mal wieder vorzüglich. Man hat mächtig aufgetischt. Unter anderem gibt's Suppe, mehrere Salate, Antipasti, kalten Braten, Brot und Aufschnitt, zwei Fleischgerichte und einen Braten am Stück, Obst (am Stück und als Salat), Pudding und Käse. Das Essen besteht durchweg aus hochwertigen Zutaten und ist mit Raffinesse zubereitet.
Nein, die Beschreibung ist nicht etwa so ausführlich, weil ich auf Restaurantkritiker umschulen will, sondern um einerseits den großzügigen Luxus, den wir hier regelmäßig vorfinden, zu beschreiben und andererseits, den Gegensatz zu nordrhein-westfälischen Clubs aufzuzeigen, in denen zumeist schwere (Fertig-)Gerichte mit gutbürgerlichem Anstrich offeriert werden.

Clubbetreiber, die hier vielleicht neidvoll mitlesen, sollten ihre Abschrift an dieser Stelle noch nicht beenden, sondern sich zusätzlich hinter den Ohren oder sonstwo notieren, dass es im Schlösschen zusätzlich noch Essen a la carte gibt.

Die Dame, die hier für den Service verantwortlich ist, braucht uns die Karte nicht extra zu aushändigen; wir haben sie längst entdeckt.
Wie immer gibt es drei Gerichte zur Auswahl, diesmal sogar mit zusätzlichem Dessert. Der Süße wählt Filetspitzen oder Medaillons, ich bitte um eine Zusammenstellung der Beilagen, da heute kein vegetarisches Gericht explizit angeboten wird.
Nach unserer Suppe und den Vorspeisen vom Buffet kommt das Hauptgericht. Natürlich hat der Koch mir nicht einfach ein paar Beilagen auf den Teller gelegt, sondern speziell für mich gekocht. Um ehrlich zu sein, hatte ich das auch erwartet, da er's bislang immer so gehalten hat – köstlich!

Nach dem Essen gehen wir durch die Räume und nehmen anschließend noch einen Wodka. Wir lassen uns auf der breiten Bank nieder, die die Tanzfläche umrahmt und werfen einen Blick auf unsere Mitstreiter. Haha, heute sind ja sogar zwei Ausreißer da: ein Paar in roten Dessous und ein anderes in schwarz. Ansonsten herrschen bei den Damen Schottenröckchen mit Korsagen - Schulmädchenlook scheint hier unabhängig von Alter und Gewicht up to date zu sein - sowie Leder- und andere dunkle Hosen mit T-Shirts und Hemden bei den Herren vor.

Kleiner Exkurs: Unter "erotisch und elegant" verstehen wir zwar etwas anderes, aber wir vergessen auch nicht, dass wir nicht im nahen Ausland, sondern im Inland in einem Landesteil sind, der von diversen Gestalten, die meist nie dort waren, als dunkel bezeichnet wird. Hier kleidet man sich halt legerer. Dazu befinden wir uns auf dem Land. Die nächste größere Stadt - » Schönstadt - ist 30 Minuten entfernt. Unter Landbewohnern hat "Schick" eh eine etwas andere Bedeutung.

Weiter im Text: Zwei Paare sind noch dazu gekommen, ein gemischtes und ein aus Damen bestehendes.
Der Süße geht noch mal durch die Räume, während ich den Rest meines Wodkas austrinke und mich an dem aufgesetzten künstlichen Lachen der einen mutmaßlichen Lesbe erbaue. Der Süße kehrt zurück. Hinten ficken nur die beiden Roten, die ihm mitgeteilt haben, er solle mich mal vorbei schicken. Na, das fehlte mir gerade noch! Ich bin doch kein Bote und lasse mich schicken.
Viel lieber gehen wir doch in unser Zimmer und kleiden uns um.

Der Süße wählt eine kurze Ledershort mit einem Hemd aus Netzstoff, das ich ganz grandios an ihm finde, ihn aber nicht ganz so begeistert, weil es kratzt, und ich gewande mich in einen kurzen Lederrock und ein Lederkorsett, das in Brusthöhe anstatt Körbchen Löcher aufweist. Dazu nehme ich diese unsäglichen Plateau-Sandalen, die zwar wundervoll aussehen, aber an zehn Stellen geschnürt werden müssen und daher ziemlich unpraktisch sind.

Der Chef guckt freundlich, somit scheinen wir immer noch passend gekleidet zu sein. Diesmal setzen wir uns in die Empire-Sitzmöbel, halten es dort aber nur für die Länge eines Getränks aus. Diese Stühlchen sehen zwar super aus, sind aber zumeist so unbequem wie die hier.

Ein Gang durch die Räume. Die "Roten" sind weg (und waren übrigens den ganzen Abend nicht mehr gesehen; anscheinend haben sie gegessen, was getrunken, kurz gefickt und sind dann - weil ich nicht dazu kommen wollte *g* - gefahren), und insgesamt sind die Spielräume ziemlich, um nicht zu sagen ganz, leer.
Der SM-Raum mit Bock, Bank, kleinem Käfig und Andreaskreuz läd uns zum Verweilen ein. Wir Spielen ein bissl, brechen dann aber ab, weil ein dazu kommender Solo (er ist wohl gar keiner, aber die anscheinend dazu gehörende Dame sehe ich hauptsächlich in der Bar), der sogar hätte mitmachen dürfen, derart laut mit seinem Schlüssel klappert, dass wir ganz aus dem Takt kommen.

Ein Blick in die restlichen Räume: der Raum, der aus einer einzigen großen Spielfläche besteht, der rote Orgien-Raum mit Empore und Durchreiche (oder in dem Fall besser Durchgreife?) zum Nebenraum mit Spielflächen auf zwei Ebenen - alle verwaist.

Wir schauen noch in die erste Etage, wo es noch zwei Räume - davon einer abschließbar - ohne große Auffälligkeiten gibt, die momentan aber auch nicht genutzt werden.

Und sonst gibt's über diesen Abend auch nicht mehr viel zu berichten.
Wir verweilen noch etwas im Barraum, freuen uns an der Musik, die der Chef auflegt und die wir uns im Club Athen und dem Yachtclub gewünscht hätten, verleben auch noch einen längeren Aufenthalt in den Spielräumen und nehmen die Nachspeise nach diesem Dessert im Restaurant-Bereich.
Am nächsten Morgen treffen wir einige der Paare beim Frühstück wieder.

Fazit: Das Schlösschen ist sicherlich einer der schönsten Clubs Deutschlands. Wenn der Club nun noch mehr frequentiert würde, könnte er sich tatsächlich zu einem Plaisier Mitteldeutschlands mausern.

07.04.2009

Ambiente  1 - 2  
Sauberkeit 
Leute 
Stimmung 
Essen 
Preis / Leistung 
Visits  > 5 
Vote  go 

(Bewertung nach Schulnoten von 1 - sehr gut - bis 5 - mangelhaft)

Unser erster Besuch im Schlösschen:

» Schloss Gernegroß anfang dezember 2007 beschließen wir angesichts eines urlaubs im deutschen südosten, das neue jahr auf der eröffnungsparty des neuen paareclubs "schlösschen" in der nähe einer sinnvollen ...



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