mittwöchliche aushäusigkeit. wir sind ausnahmsweise einmal früh dran, keine spur von der üblichen einstündigen verspätung; wenn wir nicht aufpassen, hat das etablissement der wahl noch nicht einmal auf.
wir verzögern unsere handlungen und schaffen es haarscharf, nicht die ersten zu sein.
das » chalet empfängt uns mit dem wohlbekannten, leicht maroden charme. wir fühlen uns wohl. wir trinken etwas und betrachten den sich langsam füllenden barraum des erlebnisgastronomischen betriebs, wie ein neulich kennengelerntes, sympathisches paar clubs gern nennt.
heute sehen wir wenige bekannte gesichter. nun ja - was nicht ist, kann ja werden. immerhin lernten wir in diesem club tatsächlich schon ein paar kennen, zu dem es mittlerweile einen direkten draht gibt und mit denen wir uns auch fest verabreden, um die intereuropäische kommunikation voranzutreiben. leider verabsäumten wir diesmal, unser abendliches vorhaben zu adressieren und leider erscheinen sie nicht aus eigenem antrieb. bedauerlich.
nun denn. wir also sitzen, unterhalten uns und schauen uns die gestalten der nacht an. es ist etwas leerer als normalerweise. ok - auch wenn der sommer fehlt, sommerurlaub fehlt nicht - schließlich muss er ja irgendwo zu finden sein, der sommer.
ich schaue mir die bewegungen der anwesenden im raum an. noch herrscht ruhe. da wir zuerst allein bleiben wollen, drängele ich ein wenig ... leider aber ist das thema interessant, so dass sich unser aufbruch verzögert. die ersten gäste kommen von der nahrungsaufnahme - das wort essen trifft es im ausland nicht wirklich - zurück. man kann eine atmosphärenänderung spüren, es wird untergründig nervöser. irgendwann lösen wir uns vom thema. die nervosität ist mittlerweile unverhohlen spürbar. die bewegungen im raum werden deutlich schneller, insbesondere die der männer. wir gehen hoch. zu spät ... hier ist vieles erwartbar, nur keine ruhe. ein gewusel wie im bienenstock, überall trappelt wer nervös herum. und wieder sind es die männer, die am schnellsten umherirren.
clubbesucher erinnern oft an tee.
die frauen machen auf teebeutel: einmal wohin gelegt, bleiben sie einfach » pratschig liegen und bewegen sich kaum noch - zweckdienliche eigenbewegungen mal außen vor gelassen.
die männer hingegen machen auf brown'sche moleküle und schießen quasi durch die räumlichkeiten. sehr witzig, dieses hochfrequente getrappel.
sie wirken wie eisbären im zoo - mit diesen verhaltensgestörten pendelbewegungen ... 5m laufen, schauen, 5m zurücklaufen, schauen, 5m lauf... neverending story. liegt ein paar irgendwo rum, trappelt ein mann eilig in den raum, kommt sehr nahe (oft kann man den atemzug an den genitalien spüren), schaut eine sekunde und trappelt dann wieder hinaus - auf der suche nach DEM kick anscheinend. und die frauen spielen eben bodennebel und liegen bräsig in der landschaft herum. erotisch wie ein wühltisch im sommerschlussverkauf.
wir sind also oben und suchen uns ein eckchen. einige herren rücken zu dreist zu nah und wünschen entsaftet zu werden. ent werden sie, aber -fernt statt -saftet.
wir beschäftigen uns miteinander und gehen ineinander auf. unsere langsamkeit bringt mit sich, dass wir antizyklisch werden. alle anderen sind schon lange fertig und pausieren; als wir dann irgendwann wieder zur bar wollen, kommt uns der 2. durchgang auf dem weg zu den matten entgegen. wundervoll - somit gibt es für uns etwas mehr ruhe.
wir bemerken, dass die nervosität schon etwas zurückging - anzeichen eines ausgeglicheneren hormonhaushalts.
irgendwann gehen wir nochmals hinauf und finden ein ruhiges plätzchen, einen leeren raum. klar, dass der nicht sehr lange leer bleibt. es erscheinen die üblichen ichwillauchwassehen-erdmännchen. irgendwann kommt auch ein paar.
und es geschieht wieder einmal das für uns selbst unvorstellbare:
sie legen sich neben uns. ok, dafür sind clubs da.
sie legen sich so, dass es KEINEN blickkontakt gibt. für uns das zeichen, dass sie für sich bleiben wollen. aber weit gefehlt. ohne jegliche beachtung der eigenen partnerin fasst der männliche part sofort, kaum dass sie liegen, die süße an. nicht vorsichtig-neutral, sondern direkt ans "eingemachte". Unsere sofortige intervention wird mit beleidigtem gebrumme quittiert. von beiden. und sie springen sofort auf und verschwinden.
wir finden unseren faden wieder und spielen miteinander weiter. und erneut - ein anderes paar, aber die gleiche story - mit einer ausnahme. diesmal sah zumindest ich die frau. und wieder war es der mann, der sofort, ohne sich auch nur eine sekunde um seine begleiterin zu kümmern, aus dem toten winkel kommend an der süßen zu schaffen machen wollte.
wir wechseln den raum.
und schau mal einer an ... das erste paar erscheint erneut. und entblödet sich nicht, genau den gleichen ansatz nochmal zu versuchen. wieder packt er zu ... und hat es nur unserer stellung zu verdanken, dass er keine geknallt bekommt. auch klar, dass sie beleidigt abziehen ... grummelnd ... diesmal besonders die frau, seltsam. weil ihr männe diesmal nicht zum zuge kam? wie doof kann man denn eigentlich sein?
wir haben nach wie vor die idee eines sich langsam entwickelnden spannungsaufbaus mit vielen blickkontakten. das empfinden wir als erotisch und stimulierend. und dann können, dürfen und sollen sogar hände auf wanderschaft gehen. als langsames herantasten an unbekanntes. den spannungsbogen immer weiter ausdehnen. und immer das hauptaugenmerk beim eigenen partner - die mitspieler als bereichernde erweiterung, nicht als ersatz. glücklicherweise finden wir sehr vereinzelt ähnlich tickende menschen, sonst könnte man es lassen.
jedenfalls turnt uns nichts mehr ab als menschen, die ohne blickkontakt zu uns kommen; männer, die sofort ihre schwänze wichsend auspacken und versuchen, sie der süßen vor das gesicht zu halten; menschen, die ohne jeden spannungsaufbau agieren; menschen, denen es offensichtlich ausschließlich um fremdes fleisch geht.
sela
09.08.07






